Zeitlicher Bezug: 26.02.2021

Innovatives Energiekonzept für das Alanbrooke Quartier

Die Stadt Paderborn hat für die Wärmeversorgung des Quartiers ein innovatives und zukunftsweisendes Energieversorgungskonzept erarbeiten lassen, das durch seine Größe und Konstellation in Deutschland einmalig ist und einen hohen Nachhaltigkeitswert aufweist.
Mit dem Einsatz erneuerbarer Energien, der Reduzierung des Energiebedarfs und einer Optimierung der Energieversorgung können dauerhaft niedrige Energiekosten bei gleichzeitiger hoher Betriebs- und Planungssicherheit garantiert werden.
Auf dem 18 Hektar großen Gelände besteht für die Neubauten der über 700 Wohneinheiten die Möglichkeit, den Heizwärmebedarf mittels Erdkollektoren und Wärmepumpen zu generieren. Mit einer Vorlauftemperatur von ca. 42 Grad Celsius, einer Niedertemperaturheizung und neuester Wärmepumpentechnik wird eine hohe Energieeffizienz bei der Wärmerzeugung erreicht.
Großflächig werden in einem definierten Abstand spezielle Rohre, sog. Kollektoren im Bereich der nicht-versiegelten Grünflächen verlegt. Sie können Wärmeenergie in einem Übertragungstemperaturbereich von -5 bis +21 Grad Celsius aufnehmen. Das System wird in der Wärmeversorgung als „kalte Nahwärme“ bezeichnet. Mit einer sehr aufwändigen Simulation wird das Kollektorfeld in der Vorplanung auf „Herz und Nieren“ geprüft. Die in ihrem Bestand geschützten Bäume mit Kronenradius und einem Zuschlag für den Wurzelraum bleiben von der Verlegung unberührt.
Im nördlichen Areal befinden sich die denkmalgeschützten Gebäudebestände, in denen ca. 70 Wohneinheiten entstehen können. Auch wenn Sanierungsmaßnahmen den Dämmstandard maßgeblich verbessern, reicht die Wärmeversorgung durch eine Niedertemperaturheizung nicht aus. Hier ist die Einbindung eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerks (BHKW) vorgesehen, das zum Teil mit Biomethan betrieben werden kann. Der im BHKW erzeugte Strom kann direkt vor Ort für den Antrieb der zentralen Wärmepumpe des oben beschriebenen Niedertemperaturnetzes eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil ist die Nutzung der Abwärme aus dem Abgas der BHKW für das Niedertemperaturnetz. Zukünftig können an dieser Stelle weitere Wärmepotentiale von den benachbarten Unternehmen oder aus dem städtischen Abwasser mit eingebunden werden. Im Rahmen von innovativen Entwicklungen im Energiesektor besteht zudem die Möglichkeit das BHKW in Zukunft durch neueste Technik (z.B. Wasserstofftechnik) weiter zu optimieren und somit auch die CO2 Emissionen des Alanbrooke Quartiers noch weiter zu senken.
Für die Kalkulation der Wärmebedarfe im Nahwärmekonzept war die Errichtung aller Gebäude in einem gemittelten Standard von KfW-55 und KfW-40 mit einem mittleren Heizwärmebedarf von 35 kwh/m2a (inkl. Leitungsverlusten) zugrunde gelegt (Planfall). Um die Ziele der Umsetzung eines innovativen Nahwärmenetzes zu erreichen, besteht für alle Investoren und Bauherren die Verpflichtung sich an das neue Nahwärmenetz anzuschließen und die Neubauten mindestens im KfW-55 Standard zu errichtet.
Mit dem geplanten Energieversorgungskonzept für das Alanbrooke Quartier können einerseits der denkmalgeschützte Gebäudebestand und die geplanten Wohnungsneubauten, und andererseits mögliche Energieabnehmer in benachbarten Wohngebieten und die angrenzende, bereits vorhandene Infrastruktur in einem gesamtenergetischen Kontext eingebunden, entwickelt und nachhaltig realisiert werden.
Die Beratungen zur Errichtung eines Nahwärmenetzes sind bereits im Jahr 2019 erfolgt und der Beschluss wurde am 27.06.2019 im Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt gefasst. Auf Basis des politischen Mandates wurde die WärmeServicePaderborn GmbH (WSP) gegründet und die Planungen der Konzeptumsetzung weiter konkretisiert.
Das Energiekonzept für das Alanbrooke Quartier ist außerdem Teil des Quartiershandbuchs für das Areal. Das Quartiershandbuch besteht neben dem Energiekonzept aus weiteren inhaltlichen Bausteinen (Gestaltungshandbuch, Vergabekonzept, und Mobilitätskonzept) und soll den Planern und Investoren als Grundlage dienen. Das gesamte Quartiershandbuch wurde am 30.01.2020 durch den Rat beschlossen, womit das Energiekonzept erneut bestätigt wurde.
Mit der Umsetzung des Energiekonzeptes entsteht für die Versorgung des Alanbrooke Quartier ein äußerst nachhaltiges, innovatives, robustes und emmissionsarmes Netz, das mit dem Erdkollektor einen wesentlichen Anteil der Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnt.